2015

Chancen dank Bildung

Schulangebot erleichtert Flüchtlingen das Ankommen

Schulleiter Adalbert Hahn und Lehrerin Judith Kolmstetter freuen sich über den Erfolg der VAB-O-Klassen an ihrer Schule. Bild: Susanne Kanele

Von Susanne Kanele: Seit vielen Wochen beherrschen die Flüchtlingsströme nach Deutschland die Medien. Doch schon lange vorher, nämlich seit September 2014, hat die Gewerbeschule Bad Säckingen als erste Schule im Kreis, eine so genannte VAB-O-Klasse gegründet. VAB-O steht für „Vorqualifizierung Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse“, also eine Klasse, die ausschließlich von Flüchtlingen besucht wird und deren Schwerpunkt im Unterricht auf das Erlernen der deutschen Sprache ausgerichtet ist. Inzwischen sind es drei Klassen in der Bad Säckinger Gewerbeschule, eine Klasse in der Hauswirtschaftsschule, zwei Klassen in der Waldshuter Gewerbeschule sowie eine Klasse in der Justus-von-Liebig-Schule in Waldshut. Das Fazit nach dem ersten Jahr Unterricht mit den Flüchtlingen in der Gewerbeschule fällt positiv aus. Nicht nur die Schüler waren hoch motiviert: „Wir haben Lehrer hier, die machen einen tollen Job“, lobt Schulleiter Adalbert Hahn. Eine davon ist die Lehrerin Judith Kolmstetter. „Als ich im vergangenen Jahr hier an diese Schule gekommen bin, war ich völlig erwartungslos“, resümiert sie. „Aber als ich dann hier ankam und die Schule kennen gelernt hatte, war ich begeistert, denn die Schüler waren unglaublich motiviert und dankbar“, sagt sie. Darüber hat sie sich gefreut, denn es hat ihr die Arbeit in der Klasse erleichtert.

Respekt für Lehrer ist groß

Die meisten Schüler der Klasse haben die Schule im September 2014 ohne Deutschkenntnisse begonnen. Es waren Schüler dabei, die in ihrer Heimat den Bachelor absolviert haben, aber auch Schüler, die noch nie eine Schule besucht hatten. Der Respekt und die Akzeptanz für die Lehrerin waren groß. „Die kulturellen Unterschiede zeigten sich nur in der Ernährung“, so die Lehrerin. Sie selbst sieht den Unterricht in der VAB-O-Klasse als Bereicherung an. „Ich habe bei der Arbeit mit den Schülern meinen kulturellen Horizont  erweitert“, so die Lehrerin. Schnell stellten sich die Erfolge beim Sprachunterricht ein: „Man hat gemerkt, wie sich die Deutschkenntnisse der Schüler im Laufe der Zeit schnell verbessert haben“, so Kolmstetter weiter. Das lag auch mit daran, dass die Schüler ein Praktikum in einer Firma absolviert und mit deutschsprachigen Arbeitskollegen Umgang hatten.

Gute Prüfungsergebnisse

Alle Schüler der Klasse haben zum Schuljahresende die A2-Sprachprüfung mit gut bis sehr gut bestanden. Neun Schüler besuchen inzwischen die einjährige Berufsfachschule und erhalten parallel acht Stunden in der Woche Deutschunterricht. Aktuell werden in der Bad Säckinger Gewerbeschule drei Klassen unterrichtet. Doch damit stößt die Schule an ihre Kapazitätsgrenzen. „Bis zum Herbst nehmen wir Schüler auf“, sagt Hahn. Das Ziel ist es, den Schülern noch mehr Deutsch und Grundkenntnisse im Berufsfeld Metall, Farbe, Holz und Friseur zu vermitteln. „Ich schätze, dass die Schüler – wenn sie ihren Weg gehen – drei bis fünf Jahre benötigen bis sie eine Ausbildung gemacht haben“, so der Schulleiter. Denn: „Man muss jeden Fall einzeln betrachten und das kostet Zeit“.

[Quelle: Hochrhein Anzeiger von 28.10.2015 www.anzeiger-suedwest.de]

1BFZ - Sieger des Leitbildwettbewerbs 2015/16

GEWERBESCHULE BAD SÄCKINGEN. Um die Leitbildpräsenz an der Gewerbeschule zu stärken, führen wir seit dem Schuljahr 2013/14 einen Wettbewerb mit Leitbildpräsentationen in den Klassen durch. Zu diesem Zweck visualisieren Schüler ihre Interpretation des Leitbildes auf einem Plakat.

Plakat der 1BFZ, das die Grundzüge des Leitbilds und der Menschenrechte mit dem Berufszweig verbindet. Bild: Gewerbeschule

Gewinner des Schuljahres 2015/16 ist die einjährige Berufsfachschule Holztechnik, die mit einem Plakat überzeugte, das die Grundzüge des Leitbilds und der Menschenrechte mit dem Berufszweig verbindet. Die Klasse erhält ein Preisgeld von €100 für die Klassenkasse.

Die einjährige Berufsfachschule Holztechnik ist Sieger des Leitbildwettbewerbs 2015/16. Bild: Gewerbeschule

Den zweiten Platz belegt das Berufseinstiegsjahr, den dritten die einjährige Berufsfachschule Farbtechnik.

 

Eine große Party voller Lebensfreude

Schüler der Gewerbeschule bereichern die Benefizveranstaltung Festival of Cultures durch eigenen Auftritt.

BAD SÄCKINGEN. Einen großen Erfolg hat das Bad Säckinger Jugendparlament (Jupa) am Freitag im Schlosspark mit seiner Benefizveranstaltung Festival of Cultures gefeiert. Lief der Event am Nachmittag noch etwas schleppend an, so füllte sich der Schlosspark gegen Abend schlagartig mit Menschen jeglichen Alters, darunter viele Familien.

Das Jugendparlament mit der Vorsitzenden Friederike Kouremetis und ihrem Stellvertreter und Pressesprecher Sander Frank an der Spitze, hatte ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt, dabei auch zahlreiche Asylbewerber mit ins Boot geholt und in den Ablauf des Events miteingebunden. Rund 400 bis 500 Menschen waren in den Schlosspark gekommen, alle 500 Festivalbändchen wurden schon im Vorverkauf abgesetzt. Der Erlös aus dem Verkauf der Bändchen und der Getränke kommt dem Bad Säckinger Verein Refugees Integrated für die Betreuung unbegleiteter Jugendliche zugute.

Der in Bad Säckingen lebende SPD-Landtagsabgeordnete Hidir Gürakar, zahlreiche Stadträte und Mitglieder des Vereins Refugees Integrated sowie Helfer in der Asylbewerberunterkunft hatten sich unter die zahlreichen Festivalbesucher gemischt.

Die Gambierin Satang Kebba Tunkara (links) unterstützte spontan den Trommel-Act ihrer Mitbewohner aus dem Flüchtlingsheim mit ihrem Gesang. Foto: Marion Rank

Afrikanisches und syrisches Essen, am Abend zuvor bis ein Uhr morgens für rund 200 Menschen von den Asylbewohnern Satang Kebba Tunkara (Gambia) und Omar Baloud (Syrien) mit zwei weiteren Helfern gekocht, fand reißenden Absatz. Die Köche und die Jupamitglieder hatten alle Hände voll zu tun, die Besucher mit Essen und Trinken zu versorgen.

"Frieden ist Kopfsache", so Essa "Bill" Suwareh, Sänger des afrodeutschen Rap-Duos Mulattenpack aus Lörrach, einer der Top-Acts der Veranstaltung. Das Duo brachte deutschen und afrikanisch-englischen Rap und Reggae auf die Schlossparkbühne. Bill war vor Jahren selbst Asylbewerber aus Gambia. Er und sein Partner, Ethno-Rapper Leo Fairii, weisen mit ihren polarisierenden Texten auf Vorurteile gegenüber Asylbewerbern und Menschen anderer Hautfarbe hin. Jazzige Einlagen gab es von der Gruppe Joga um Sängerin Gabriele Maurer, Adrian Brenneisen, Joachim Malina, unterstützt von Natan Lauer. Julian Joist überzeugte mit Gesang und Gitarre. Auch die DJs Thimlife und Cro po Nixon hatten ihre Fans. Drei Asylbewerber traten mit einem Trommel-Act auf, begeisterten ihre Mitbewohner so, dass sie auf die Bühne kamen und dort tanzten. Satang Kebba Tunkara begleitete spontan die Trommler mit ihrem Gesang. Auch vor der Bühne riss die Lebens- und Spielfreude der Asylbewerber die Festivalbesucher mit, alles tanzte. Auf der Bühne hatte man Raum und Zeit vergessen, so dass Mitorganisator Sander Frank schon Be denken um seinen Zeitplan hatte.

Stolz auf das Jupa zeigte sich der Bad Säckinger Kinder- und Jugendreferent Peter Knorre: "Das Jupa hat das toll hingekriegt."

Weitere Bilder im Internet unter http://mehr.bz/Festival-of-Cultures
 
 

Die Schülerzahlen steigen recht deutlich an

Die drei beruflichen Schulen in Bad Säckingen haben einen starken Zulauf / Unterrichtsräume werden knapp.

BAD SÄCKINGEN. Es wird eng im Schulzentrum an der Rippolinger Straße in Bad Säckingen. Zum Schuljahresanfang ist jeder Raum voll ausgelastet. Die Schüler werden voraussichtlich genügend Lehrerinnen und Lehrer haben – auch dank Kooperationen der drei Schulen untereinander. Die Rudolf-Eberle-Schule verzeichnet ein deutliches Plus bei den Schülerzahlen. Flüchtlinge bekommen zusätzlich Deutsch-Unterricht. An der dritten beruflichen Schule sieht es ähnlich aus.

Die Gewerbeschule
"Mehr geht eigentlich nicht", sagt Adalbert Hahn, Schulleiter der Gewerbeschule in Bad Säckingen mit Blick auf die Raumsituation. Was die Schülerzahlen betrifft, kann er noch keine verlässlichen Angaben machen. In den kommenden Monaten sollen weitere Schüler hinzukommen, die eine Lehrstelle haben oder im berufsschulpflichtigen Alter seien. Seine ersten Schätzungen liegen zwischen 630 und 650 Schülern. Zu den üblichen Klassen kommen drei so genannte VABO-Klassen (Vorqualifizierung Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse), die aktuell mit 55 Schülern belegt sind – Tendenz wohl steigend. "Ich rechne damit, dass wir spätestens im Februar zwei neue Klassen aufmachen müssen, aber fragen Sie mich nicht, wohin", so Hahn gegenüber der Badischen Zeitung. Im Moment sei man räumlich gesehen am Anschlag. In den VABO-Klassen werde hauptsächlich Deutsch unterrichtet. Zwar würden berufliche Inhalte eher am Rande vermittelt, aber die Schüler schnuppern auch in den Werkstattunterricht rein und sprechen dort dann Deutsch. Hahn lobt diese Schüler besonders, von denen die meisten wissbegierig und lernwillig seien. Gute Nachrichten gibt es auch bei der Lehrerversorgung: Etwa 45 Lehrkräfte unterrichten, einige kommen hinzu, weil es Kooperationen mit anderen Schulen gibt. Da die Schule auch eine Sonderschulpädagogin habe, könne es im Einzelfall auch eine individuelle Förderung geben.

 

Nicht nur die Gewerbeschule in Bad Säckingen erwartet dieses Jahr viele Schüler. Foto: Jörn Kerckhoff

Die Rudolf-Eberle-Schule
Die allgemeine Tendenz, möglichst lange die Schulbank zu drücken und einen hochwertigen Schulabschluss zu machen, schlägt sich auch in diesem Jahr auf die Schülerzahlen an der Rudolf-Eberle-Schule in Bad Säckingen nieder. Das bedeutet Wanderklassen, denn es gehe gerade so mit den Räumen. Direktor Hans-Peter Hess hat mit 91 Schülern drei volle Klassen für das kaufmännische Berufskolleg, das auf der mittleren Reife aufbaut und mit der Fachhochschulreife endet. Fester Bestandteil ist ein Tag pro Woche in einer Übungsfirma, in der die Schüler praktisch an kaufmännische Abläufe herangeführt werden. Besonders beliebt sind laut Hess die "Weiße-Kragen-Berufe". Bäcker oder Metzger wollten auch am Hochrhein immer weniger junge Leute werden. Den 18 Vollzeitklassen und 16 Lehrlingsklassen stehen, ähnlich wie im Vorjahr, 52 Lehrkräfte gegenüber. Die grundsätzlich gute Lehrerversorgung höre aber bei Wirtschaft und Mathematik auf – da sei die Auswahl an Lehrern begrenzt. In den vier Jahren, in denen Hans-Peter Hess die Schule leitet, konnte das Kollegium bereits um die Hälfte verjüngt werden. Grund hierfür waren zahlreiche Pensionierungen. "Der jüngste Kollege, der in diesem Jahr beginnt, ist 26 Jahre alt", freut sich Hess. An der Rudolf-Eberle-Schule lernen derzeit noch keine Flüchtlinge. Sprachförderungen gibt es vor allem in Französisch im Berufskolleg Fremdsprachen. Im Programm "AzubiBacPro" lernen die Schüler in Kooperation mit einer Partnerschule in Colmar Französisch, zugeschnitten auf kaufmännische Berufe. Es werden die Arbeitsgemeinschaften Schulband, Wirtschaftsinformatik und Global Studies angeboten.

Die Hauswirtschaftlichen Schulen
Ebenfalls ein volles Haus verzeichnet Isabella Schlipphack, die Direktorin der Hauswirtschaftlichen Schulen. Mit 174 neuen Schülern, verteilt aufsechs Eingangsklassen, komme man gerade so hin mit den Räumen. Mit 60 Neuanmeldungen verzeichnet das Sozialwissenschaftliche Gymnasium die höchste Zahl an Schülern in einer Eingangsklasse an der Schule. Auch an dieser Schule wird es eine VABO-Klasse mit 15 Schülerinnen und Schülern geben. Die Lehrerversorgung sieht gut aus, was auch an der Kooperation der drei Schulen untereinander liegt. Zwei Lehrer betreuen die AG "Schüler helfen Schülern", eine Lehrerin kommt aus der Elternzeit zurück, und drei Vertretungslehrer unterstützen das Kollegium.

 

Unterricht ohne jegliche Deutschkenntnisse

Die Gewerbeschule erwartet etwa 30 Schüler aus Flüchtlingsfamilien / Schulleiter berichtet von hochmotivierten Jugendlichen.

BAD SÄCKINGEN. Die große Zahl an Flüchtlingen stellt auch die Schulen vor große Herausforderungen. Adalbert Hahn, der Leiter der Gewerbeschule Bad Säckingen, sprach darüber mit Mitgliedern der FDP-Fraktion des Kreistags.

Wie viele jugendliche oder junge erwachsene Flüchtlinge zum Schuljahresbeginn am Montag die Gewerbeschule besuchen werden, konnte Hahn noch nicht genau sagen. Aktuell seien knapp 30 angemeldet, doch die Zahlen änderten sich beinahe täglich. Im zurückliegenden Schuljahr habe es eine so genannte VABO-Klasse (Vorqualifizierung, Arbeit, Beruf, ohne Deutschkenntnisse) mit 15 Schülern gegeben. Die seien teilweise schon hochqualifiziert, einige hätten sogar Masterstudienabschlüsse in der Tasche. Was fehlt, seien jedoch die Sprachkenntnisse, um in einem Beruf zu arbeiten. Die sollen sie – neben weiteren Kenntnissen – an der Gewerbeschule bekommen, berichtete Hahn. Der Unterricht sei bei sieben unterschiedlichen Nationalitäten ohne ein Wort Deutsch schon eine Herausforderung. "Die sind nicht dumm, die können auch rechnen, aber teilweise schreiben sie in ihrer Landessprache von rechts nach links, Buchstaben und Zahlen sind andere", erläuterte Hahn den FDP-Politikern Klaus Denzinger, Erhard Graunke und Harald Ebi, wie schwer so ein Unterricht ist. Doch die Erfahrungen, die er mit den Schülern gemacht habe, seien überwiegend positiv. Natürlich gebe es auch unter ihnen welche, denen es an Motivation fehle – so wie bei deutschen Schülern auch. Teilweise seien sie aber viel eher bereit, Hürden zu überwinden, um zur Schule zu kommen.

 

Gewerbeschule in Bad Säckingen. Foto: Gewerbeschule

So nannte Hahn ein Beispiel aus der Zeit, als Busse und Bahnen streikbedingt nicht fuhren. Da hätten einige der Schüler aus der VABO-Klasse früh am Morgen kilometerlange Fußmärsche auf sich genommen, um doch einen der wenigen Busse zu erwischen. Auch von Ausbildern aus Betrieben habe er viele positive Rückmeldungen bekommen.

Damit die jungen Leute vermittelt werden können, wenn ihr Asylantrag angenommen wurde, sind Deutschkenntnisse aber das A und O. Und je mehr dann die Sprache gesprochen werde, desto besser werde sie auch beherrscht.

Klaus Denzinger regte an, die Schüler an ihrem Wohnort in der deutschen Sprache zu unterrichten. Für einen Lehrer mit Auto sei es deutlich unkomplizierter dorthin zu kommen, als für mehrere Jugendliche ohne Deutschkenntnisse mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Bad Säckingen. So wollen Hahn und Denzinger eventuell Ausschau nach geeigneten Räumen in den Nachbarorten suchen, auch wenn die jungen Leute offiziell Schüler der Gewerbeschule Bad Säckingen sind.