Zwei Frauen lieben ihr Handwerk

Anna Stowasser und Elisa Rhode sind als Schreiner-Auszubildende im zweiten Lehrjahr und glücklich mit ihrer Berufswahl

Anna Stowasser macht eine Ausbildung zur Schreinerin: Sie findet es angenehm, mit Holz zu arbeiten und zu sehen, was aus dem Material entsteht. Foto: Nico Talenta

Anna Stowasser ist 20 Jahre alt und wohnt in St. Blasien. Eigentlich interessierte sie sich nach ihrem Abitur für Architektur. „Das alleine erschien mir dann aber zu theoretisch“, erklärt sie. Über ein Praktikum in ihrem jetzigen Ausbildungsbetrieb sei sie schließlich auf den Schreinerberuf gekommen. „Was nach der Ausbildung kommt, steht noch nicht fest“, ergänzt die 20-Jährige. Vielleicht studiere sie ja doch noch. Im Moment arbeite sie gerne als Schreinerin: „Die Arbeit mit Holz ist einfach angenehm und es macht Spaß zu sehen, was daraus so alles entstehen kann.“ Gerade die Präzision in der Produktion sei eine Herausforderung. In ihrer Freizeit spielt sie Fußball. Das verbindet Anna Stowasser mit ihrer Ausbildungs-Kollegin – auch Elisa Rhodes Hobby ist Fußball. Die 18-Jährige wohnt in Riedern am Wald (Ühlingen-Birkendorf) und spielt dort außerdem im Musikverein Saxofon. Sie erklärt, wie sie zur Schreinerlehre kam: „Mir war früh klar, dass ich nicht in einem Büro arbeiten möchte. Ich bin eher eine Macherin.“ Vor allem die Vielfältigkeit in ihrem Ausbildungsbetrieb gefalle ihr während der Arbeit. „Egal ob Küchen, Decken oder die Gastronomieeinrichtung – es ist immer ein anderer Weg vom Material zum Produkt und das macht Spaß.“ Ausbilder Tobias Strittmatter ist zufrieden mit seinen beiden Auszubildenden. Während er den Produktionsalltag mit vier weiteren Kollegen meist vom Büro aus beobachtet, arbeiten Anna Stowasser und Elisa Rhode mit vier weiteren Auszubildenden und 15 Schreiner-Gesellen in der Werkstatt.

Meist helfen die beiden jungen Frauen den Gesellen

Beide sind im zweiten Lehrjahr. „Mittlerweile haben wir Blockunterricht, sind aber mehr Zeit hier im Betrieb“, erklärt Stowasser. Im vergangenen Jahr seien sie auf der einjährigen Holzfachschule in Bad Säckingen gewesen. „Gleichzeitig haben wir hier bei Baur ein Praktikum gemacht – so konnten wir uns das als erstes Lehrjahr anrechnen lassen“, sagt Rhode. Die überbetriebliche Berufsausbildung (ÜBA) finde in Waldshut-Tiengen statt. „Jetzt im zweiten Lehrjahr sind wir eigentlich meistens bei einem Gesellen dabei und helfen ihm bei der Arbeit“, erklären beide. Teilweise gebe es auch das ein oder andere mehrtägige Projekt. „Platten zusägen dürfen wir mittlerweile auch alleine“, sagt Anna Stowasser. Dass die Digitalisierung auch Einzug in das Holzhandwerk genommen hat, merken die beiden schon: „Während der Holzfachschule haben wir hauptsächlich noch gelernt, wie wir mit welchen Maschinen und Werkzeugen per Hand etwas herstellen. Bei Baur schicken die Kollegen aus dem Büro die Pläne und Programme direkt auf die Computer in der Produktion. Die Maschinen machen dann den Rest“, erklärt die 20-Jährige. „Mit dem Kopf müssen wir hier trotzdem alle dabei sein.“
Das Vorgehen habe Vorteile, sagt Rhode. „Weniger Abfall, Fehler und Zeitverschwendung.“ Die Digitalisierung ermögliche präziseres Arbeiten. „Vor allem Rundungen sind bei Möbeln schwer per Hand zu machen“, sagt Stowasser. Trotzdem: Wie sie Maschinen wie beispielsweise eine CNC-Maschine bedienen, sei kein Teil der Ausbildung. Für diese Werkzeugmaschinen, die durch den Einsatz von Steuerungstechnik in der Lage sind, Werkstücke mit hoher Präzision auch für komplexe Formen automatisch herzustellen, sei ein Extrakurs notwendig.
Anna Stowasser und Elisa Rhode jedenfalls fühlen sich mit ihrer klassischen Ausbildung bestens auf ihr Berufsleben vorbereitet. Und sie tragen gleichzeitig zu etwas bei: Mit ihnen steigt der Anteil an Frauen im Holzhandwerk. Laut DDS, branchenrelevantes Fachmedium für Tischler und Schreiner, waren es 2018 deutschlandweit bereits 13 Prozent. Noch nicht die Welt, aber auch die beiden Azubinen haben das Gefühl, es tut sich etwas. „Von 24 Schülern auf der Schule waren wir immerhin vier Frauen.“
Dass gleich zwei weibliche Auszubildende in Bernau angefangen haben, ist Zufall. „Wir suchen unsere Auszubildenden nicht nach Geschlecht aus. Viel mehr achten wir darauf, wer in unser Team passt“, erklärt Geschäftsführer Heinrich Birk. Jedes Jahr stelle der Betrieb zwei neue Schreinerlehrlinge ein. „Das Besondere für unsere Auszubildenden ist wahrscheinlich, etwas ganz Spezielles herzustellen.“ Mit den Kunden zusammen stelle das Team regelmäßig ein Thema in den Vordergrund der Einrichtung und passe dann alles genau darauf ab.

 

 

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