Unterricht ohne jegliche Deutschkenntnisse

Die Gewerbeschule erwartet etwa 30 Schüler aus Flüchtlingsfamilien / Schulleiter berichtet von hochmotivierten Jugendlichen.

BAD SÄCKINGEN. Die große Zahl an Flüchtlingen stellt auch die Schulen vor große Herausforderungen. Adalbert Hahn, der Leiter der Gewerbeschule Bad Säckingen, sprach darüber mit Mitgliedern der FDP-Fraktion des Kreistags.

Wie viele jugendliche oder junge erwachsene Flüchtlinge zum Schuljahresbeginn am Montag die Gewerbeschule besuchen werden, konnte Hahn noch nicht genau sagen. Aktuell seien knapp 30 angemeldet, doch die Zahlen änderten sich beinahe täglich. Im zurückliegenden Schuljahr habe es eine so genannte VABO-Klasse (Vorqualifizierung, Arbeit, Beruf, ohne Deutschkenntnisse) mit 15 Schülern gegeben. Die seien teilweise schon hochqualifiziert, einige hätten sogar Masterstudienabschlüsse in der Tasche. Was fehlt, seien jedoch die Sprachkenntnisse, um in einem Beruf zu arbeiten. Die sollen sie – neben weiteren Kenntnissen – an der Gewerbeschule bekommen, berichtete Hahn. Der Unterricht sei bei sieben unterschiedlichen Nationalitäten ohne ein Wort Deutsch schon eine Herausforderung. "Die sind nicht dumm, die können auch rechnen, aber teilweise schreiben sie in ihrer Landessprache von rechts nach links, Buchstaben und Zahlen sind andere", erläuterte Hahn den FDP-Politikern Klaus Denzinger, Erhard Graunke und Harald Ebi, wie schwer so ein Unterricht ist. Doch die Erfahrungen, die er mit den Schülern gemacht habe, seien überwiegend positiv. Natürlich gebe es auch unter ihnen welche, denen es an Motivation fehle – so wie bei deutschen Schülern auch. Teilweise seien sie aber viel eher bereit, Hürden zu überwinden, um zur Schule zu kommen.

 

Gewerbeschule in Bad Säckingen. Foto: Gewerbeschule

So nannte Hahn ein Beispiel aus der Zeit, als Busse und Bahnen streikbedingt nicht fuhren. Da hätten einige der Schüler aus der VABO-Klasse früh am Morgen kilometerlange Fußmärsche auf sich genommen, um doch einen der wenigen Busse zu erwischen. Auch von Ausbildern aus Betrieben habe er viele positive Rückmeldungen bekommen.

Damit die jungen Leute vermittelt werden können, wenn ihr Asylantrag angenommen wurde, sind Deutschkenntnisse aber das A und O. Und je mehr dann die Sprache gesprochen werde, desto besser werde sie auch beherrscht.

Klaus Denzinger regte an, die Schüler an ihrem Wohnort in der deutschen Sprache zu unterrichten. Für einen Lehrer mit Auto sei es deutlich unkomplizierter dorthin zu kommen, als für mehrere Jugendliche ohne Deutschkenntnisse mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Bad Säckingen. So wollen Hahn und Denzinger eventuell Ausschau nach geeigneten Räumen in den Nachbarorten suchen, auch wenn die jungen Leute offiziell Schüler der Gewerbeschule Bad Säckingen sind.

 

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