Die Gewerbeschule als Vorreiter

"Ausbildungsvorbereitung" soll leichteren Einstieg in den Beruf ermöglichen. Theorie und Praxis werden in der neuen Schulart verknüpft.

Viel Arbeit bedeutete die Konzeption der neuen Schulart für Raphael Schopp und das Lehrerkollegium. (Foto: Lea Breitsprecher)
Viel Arbeit bedeutete die Konzeption der neuen Schulart für Raphael Schopp und das Lehrerkollegium. (Foto: Lea Breitsprecher)

Mit Beginn des neuen Schuljahres startet die "Ausbildungsvorbereitung" als neue Schulart an der Gewerbeschule Bad Säckingen. In der Stadt nimmt die Schule damit eine Vorreiterrolle ein, nachdem auf Landkreisebene bereits Waldshut den neuen Bildungsgang eingeführt hat. Individuelle Förderung, die Auflösung der Schulklassenstruktur sowie ein starker Bezug zur Praxis prägen das Konzept.

"Chancen schaffen", das möchte Schulleiter Raphael Schopp mit der neuen Schulart "Ausbildungsvorbereitung", die ab September an der Gewerbeschule Bad Säckingen anläuft. Eine flexiblere Struktur und individuelle Fördermöglichkeiten würden es laut Schopp erlauben, besser auf die jeweiligen Situationen der berufsschulpflichtigen Schüler reagieren zu können.

Die Ausbildungsvorbereitung ersetzt die bisherigen Bildungsgänge "Berufseinstiegsjahr" sowie das "Vorqualifizierungsjahr für Arbeit und Beruf". Außerdem wird das erste Lehrjahr der zweijährigen Berufsfachschule in das neue Konzept integriert. Diese Dreigliederung spiegele sich jedoch weiterhin in der Differenzierung der Niveaustufen A, B und C wieder, so Schopp. Neu ist, dass die Schüler noch während des Schuljahres zwischen den Stufen wechseln können.

Dass individuelle Förderung im Zentrum steht, zeigt sich auch an der Auflösung des Unterrichtsklassenmodells. Ähnlich wie an Gemeinschaftsschulen, sollen künftig die Schüler in Lerngruppen zusammengefasst werden, in denen jeweils alle drei Niveaustufen vertreten sein sollen. "Der gegenseitige Austausch unter den Niveaustufen soll die Schüler anspornen", erläutert Raphael Schopp. Individuelle Lernpläne strukturieren des Weiteren den Lehrstoff. Freie Lernzeiten sowie wöchentliche Lernberatungen komplettieren die angedachte Struktur.

Neben der theoretischen Wissensvermittlung liegt auch ein besonderes Augenmerk auf der praktischen Seite. Dies soll insbesondere durch einwöchige Blockpraktika unterstützt werden, die den Schülern erste Einblicke in die Berufsfelder Bau, Farbe, Holz, Metall und Körperpflege ermöglichen sollen.

Nach einem Schuljahr endet die Ausbildungsvorbereitung. Die Niveaus A und B beschließen den Bildungsgang mit dem Absolvieren der Hauptschulabschlussprüfung, während es für das C Niveau mit dem zweiten Jahr der Berufsfachschule weitergeht, die zum Erwerb der Fachschulreife führt. Ziel sei es laut Schopp, den Übergang in das Berufsleben möglichst reibungslos zu gestalten, weshalb auch Schulsozialarbeiter die Schüler bei deren Suche nach Ausbildungsbetrieben unterstützen würden.

Hintergrund der Neuerung ist ein Schulversuch, der im Schuljahr 2013/14 von Landesebene initiiert wurde. Nach den Gewerblichen Schulen Waldshut folgt nun auch die Gewerbeschule Bad Säckingen dem neuen Konzept und ist damit die erste Schule der Stadt, die sich an dem Transformationsprozess beteiligt. Seit einem Jahr befindet sich die neue Schulart nun in Vorbereitung, nachdem im September 2018 die Genehmigung eingeholt wurde.

Seitdem bereiteten Schulbesichtigungen und Fortbildungen die Lehrkräfte auf die Neuerungen vor, während gleichzeitig auch durch die Anschaffung von neuem Mobiliar die räumlichen Gegebenheiten angepasst wurden.

Durchweg positive Rückmeldungen habe Schopp von Seiten der Eltern erhalten. Für das kommende Schuljahr rechnet der Schulleiter mit etwa 70 Anmeldungen für den neuen Bildungsgang, Anmeldungen seien jedoch weiterhin möglich.

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