Chancen dank Bildung

Schulangebot erleichtert Flüchtlingen das Ankommen

Schulleiter Adalbert Hahn und Lehrerin Judith Kolmstetter freuen sich über den Erfolg der VAB-O-Klassen an ihrer Schule. Bild: Susanne Kanele

Von Susanne Kanele: Seit vielen Wochen beherrschen die Flüchtlingsströme nach Deutschland die Medien. Doch schon lange vorher, nämlich seit September 2014, hat die Gewerbeschule Bad Säckingen als erste Schule im Kreis, eine so genannte VAB-O-Klasse gegründet. VAB-O steht für „Vorqualifizierung Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse“, also eine Klasse, die ausschließlich von Flüchtlingen besucht wird und deren Schwerpunkt im Unterricht auf das Erlernen der deutschen Sprache ausgerichtet ist. Inzwischen sind es drei Klassen in der Bad Säckinger Gewerbeschule, eine Klasse in der Hauswirtschaftsschule, zwei Klassen in der Waldshuter Gewerbeschule sowie eine Klasse in der Justus-von-Liebig-Schule in Waldshut. Das Fazit nach dem ersten Jahr Unterricht mit den Flüchtlingen in der Gewerbeschule fällt positiv aus. Nicht nur die Schüler waren hoch motiviert: „Wir haben Lehrer hier, die machen einen tollen Job“, lobt Schulleiter Adalbert Hahn. Eine davon ist die Lehrerin Judith Kolmstetter. „Als ich im vergangenen Jahr hier an diese Schule gekommen bin, war ich völlig erwartungslos“, resümiert sie. „Aber als ich dann hier ankam und die Schule kennen gelernt hatte, war ich begeistert, denn die Schüler waren unglaublich motiviert und dankbar“, sagt sie. Darüber hat sie sich gefreut, denn es hat ihr die Arbeit in der Klasse erleichtert.

Respekt für Lehrer ist groß

Die meisten Schüler der Klasse haben die Schule im September 2014 ohne Deutschkenntnisse begonnen. Es waren Schüler dabei, die in ihrer Heimat den Bachelor absolviert haben, aber auch Schüler, die noch nie eine Schule besucht hatten. Der Respekt und die Akzeptanz für die Lehrerin waren groß. „Die kulturellen Unterschiede zeigten sich nur in der Ernährung“, so die Lehrerin. Sie selbst sieht den Unterricht in der VAB-O-Klasse als Bereicherung an. „Ich habe bei der Arbeit mit den Schülern meinen kulturellen Horizont  erweitert“, so die Lehrerin. Schnell stellten sich die Erfolge beim Sprachunterricht ein: „Man hat gemerkt, wie sich die Deutschkenntnisse der Schüler im Laufe der Zeit schnell verbessert haben“, so Kolmstetter weiter. Das lag auch mit daran, dass die Schüler ein Praktikum in einer Firma absolviert und mit deutschsprachigen Arbeitskollegen Umgang hatten.

Gute Prüfungsergebnisse

Alle Schüler der Klasse haben zum Schuljahresende die A2-Sprachprüfung mit gut bis sehr gut bestanden. Neun Schüler besuchen inzwischen die einjährige Berufsfachschule und erhalten parallel acht Stunden in der Woche Deutschunterricht. Aktuell werden in der Bad Säckinger Gewerbeschule drei Klassen unterrichtet. Doch damit stößt die Schule an ihre Kapazitätsgrenzen. „Bis zum Herbst nehmen wir Schüler auf“, sagt Hahn. Das Ziel ist es, den Schülern noch mehr Deutsch und Grundkenntnisse im Berufsfeld Metall, Farbe, Holz und Friseur zu vermitteln. „Ich schätze, dass die Schüler – wenn sie ihren Weg gehen – drei bis fünf Jahre benötigen bis sie eine Ausbildung gemacht haben“, so der Schulleiter. Denn: „Man muss jeden Fall einzeln betrachten und das kostet Zeit“.

[Quelle: Hochrhein Anzeiger von 28.10.2015 www.anzeiger-suedwest.de]

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