Auszubildende im Zimmererhandwerk machen eine Dachstuhlführung im Fridolinsmünster in Bad Säckingen

Gewerbeschule Bad Säckingen
Im Glockenturm des Fridolinmünsters [Bild: GWSBS]

Bautechnisch spannend für die Auszubildenden war die Betrachtung der Münstertürme, zwischen denen die Orgel steht. Sie ist im Lot und man erkennt, dass die Türme nach außen geneigt sind. Nach einem Brand und dem Wiederaufbau der Türme in der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich allmählich ein Riss im Mittelschiff des Kirchengewölbes gebildet. Vor der Aussteifung der Konstruktion mit Beton und Stahl in den 1980er Jahren durften daher die Kirchenglocken nicht geläutet werden, da die Türme durch die Vibration einzustürzen drohten. Für die Renovierungsarbeiten mussten große Löcher in die Mauern der Türme gebohrt werden, was, laut Herr Kreutz über Monate hinweg zu einem „infernalischen Lärm“ in der Innenstadt führte.

Im Dachstuhl berichtete Herr Kreutz über die Schäden, die Sturm Lothar 1999 angerichtet hatte, und die Auszubildenden durften durch eine Lucke einen Blick auf die in den 80er Jahren gedämmten Gewölbedecken der Kirche werfen.

Das Highlight der Kirchenführung war die Begehung des aus Eichenholz gefertigten Glockenstuhls im Südturm des Münsters. Dort hängt die 3,5 Tonnen schwere im Jahre 1753 in Waldshut gegossene Fridolinsglocke. Wie so viele Glocken wurde sie im 2. Weltkrieg zum Einschmelzen für Kriegsmaterial nach Hamburg verfrachtet. Durch Zufall wurde sie dort kurz vor Kriegsende gefunden und zurück nach Bad Säckingen befördert. Zur vollen Stunde, um Punkt 11 Uhr, durften die angehenden Zimmerer die gewaltigen Glockenschläge aus direkter Nähe miterleben. Mit zugehaltenen Ohren konnte die Vibration sowohl im Turmgemäuer als auch am ganzen Körper gespürt werden.

Nachdem die trittsichere Gruppe über drei Leitern den Zustieg zur obersten Lucke des Münsterturms geschafft hatte, durfte jeder für einen kurzen Moment den überragenden Ausblick über die Stadt genießen, bevor es über das hohe Mittelschiff wieder hinunter auf den sicheren Boden des Refektoriums, dem früheren Speisesaal, ging.

Die Besichtigung hat bei allen Beteiligten einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn bereits im Mittelalter hatten es die Handwerker ohne die heutigen technischen Hilfen geschafft, unzählige schwere Holzbalken und Sparren präzise zu bearbeiten und in großen Höhen einzubauen.

[Quelle: GWSBS]

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